Cast of Thousands CD 2003
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Ein Synthi piept leicht proggie und Garveys dunkle Stimme tönt. Dann setzt wieder ein schleppender Tak ein, diesmal aber ein
ziemlich versetzter, der sich nicht so leicht nachahmen läßt wie das hypnotische Drumloop aus "Any day now"
HUCH Gospelchor? Naja, warum nicht. Solange es nicht zu gigeusisch-äh-bombastisch wird geht das schon in Ordnung.
Und seit ich das dazugehörige Soup-Collective-Video kenne, sehe ich vorm geistigen Auge die witzigen Szenen mit Mark beim
Tischtennis, Garv beim Hochfrequenz-Singen und die süße Szene mit den Trommeln und den Laborkitteln...
"FOUR!!" brüllt Jupp (?) und ein für Elbow-Verhältnisse temperamentvoller Stampfer geht los (mittlerweile fast eine eigene
Stilrichtig, die ich scherzhaft den "Wackeldackelbeat" nenne...vgl. Coldplays "Yellow", Athletes "Half light"....). Garv singt wie so
oft zart und schläfrig, aber dennoch hat das Lied ganz schön Dampf drauf. Schade, dass es (zumindest außerhalb Englands) kein
Hit geworden ist, zumal auf der entsprechenden Single auch noch sehr geile B-Seiten drauf sind und der Videoclip (mittlerweile bei
itunes zu haben!!) zum Brüllen komisch ist.
Laut eines niederländischen Interviews geht es in dem Lied um eine Frau, die von Unmengen von Männern verehrt wurde und
wohl der "Wanderpokal" in diversen Clubs war aber als sie dann plötzlich was kleines krichte wollte sie keiner mehr kennen....
(außer der brave Garv, der ist aber nicht der Vater, aber er KENNT den Vater, verrät aber nicht wer's ist...)
Ein Hund bellt von fern und da ist er, der Nachfolger von Red, ein tiefmelancholischer Turbowalzer, wo das Cello seine Kumpels
zur Verstärkung geholt hat zu herzerweichenden aber nie kitschigen Streichersätzen.
Und wieder Garvey-Poesie wo ich wie bei Newborn so ziemlich grübeln musste, was der Bursche wohl damit gemeint hat ("not
until I can read by the moon"..."nicht bis ich im Mondlicht lesen kann..."?)
Am schönsten finde ich die Zeile "Zigarettenlöcher für jede verlorene Seele" (hat mich damals zur ersten Ausgabe meiner Website
inspiriert...)
Garv wurde dazu inspiriert, als er mit Elbow in den USA war und in einem ziemlich räudigen texanischen Motel hauste, wo er das
Gefühl nicht los wurde, dass ein Großteil der Bewohner kriminell ist....die Musik hat er dann in Schottland zusammengestellt
(passt auch besser, wenn ich an das melancholisch stimmende Wechselwetter da denke...)
Und das Hochwasser in meinem inneren Fluss schäumt mindestens so wie das Wasser des Sees in das sich der Garv im
Single-Videoclip mit einer herrlichen Arschbombe stürzt...
Das Lied handelt über eine Fernbeziehung, was im Soup-Collective-Video auch gut zur Geltung kommt. Garv erzählte dem
Niederländer, dass die Zeile "You always look tired she said" u.a. auch daher kam, dass seine damalige Freundin ihn davor
bewahrte, einen Star-Höhenflug zu bekommen. "ICH WERDE BEWUNDERT!" sag ich "DU SIEHST IMMER MÜDE AUS" sagt
sie..." vielleicht wird er ja eben deswegen bewundert...weil keiner so lasziv müde gucken kann wie Garv...lechz
Offiziell gehört das mit verzerrter Stimme gesäuselte Geheimliedchen noch zu Fugitive Motel aber irgendwie dachte ich immer es
gehört schon zum Nächsten. Wenn man genau hinhört versteht man eine Zeile, die später recht ähnlich in "Leaders of the Free
World" aufgegriffen wird "...hands the gun from father to..."
Na, da hat wohl der Gabe die Jungs inspiriert die Hörer an den Rand einer Herzattacke zu bringen *diebischgrins*. Es tuckert
gemütlich, Garv singt gemütlich über sein verlorenes Songbook, Dinge die er gelernt hat und dass seine Bandkumpels auch seine
besten Freunde sind und auf einmal: HÄÄÄÄÄÄÄÄÄAAAARGH!!! ein verzerrter Gesangston, das Schlagzeugbecken zischt
ohrenbetäubend und die Gitarre scheppert...jetzt ist definitiv wach, wer bei Fugitive Motel eingeschlummert ist...*feix*
Ich liebe Schreckschußgeräusche, besonders wenn sie mich an Gabriels genialen Comebackschocker "Darkness" erinnern:
blippdiddldip...consequence...RHAAAAAHHH!!!" *feix*
Wie beim Gabe schreckt man immerhin zweimal in diesem sonst sanftmütigen Lied auf.
"Snooks" ist übrigens Snooks Eaglin, ein alter Bluesmusiker, der vor Jahrzehnten (oder soll man schon sagen Jahrhunderten??) mal
eine Platte aufnahm und während der Aufnahmen sich besoffen hat so dass am Anfang noch alles ok und am Ende das Chaos war.
Diese uneitle Herangehensweise an ein Album hatte Garv so fasziniert, dass er sich daraufhin nicht mehr ganz so sehr einen Kopf
darüber machte, ob die neue Platte allen Ansprüchen genügt.,
Und ob irgendjemand das Songbook vom Garv gefunden hat...?? Ich befürchte, er wird es wohl derart ungünstig verloren haben,
dass es nicht mal bei Ebay wieder auftaucht...vielleicht lesen jetzt in irgendeiner Kanalisation die Ratten darin und die Rättin sagt
zum Ratterich: "...du siehst immer müde aus..." *zwinker*
Es knackt rhythmisch, als hätte die CD einen Kratzer, aber der Rhythmus passt zu genau zu dem dumpfen Pochen des
Grundtaktes als dass es ein Kratzer sein könnte.
Eine wunderschöne verschlafene Ballade, die sogar einen Altmeister wie John Cale (Velvet Underground) so beeindruckte, dass er
sie mit auf die "einsame Insel" nehmen würde.
Sie wurde häufig als Selbstmordthematisierung missverstanden, dabei philosophiert Garv in dem Lied darüber was man als letzten
Gedanken haben möchte, wenn man stirbt (wann auch immer das denn sein mag). Und so ist es eine grandiose Liebeserklärung
dass er feststellt, dass die von ihm geliebte Person sein letzter Gedanke sein soll...
Und wieder ein etwas lebhafterer Titel. Auch wieder recht ohrwurmig. Kann ja sein, dass das Stück in England rauf und runter
lief. Die Berliner Radiostationen sind jedenfalls Schnarchsäcke, die nur fressen was ihnen Mister Kommerzkacke empfiehlt...
(außer Radio eins, die haben schon einige Elbowtitel u.a. Fugitive Motel gespielt...und Motor Fm!!)
Aber ich erinnere mich an einen Zwischenruf nach dem Lied beim 2003er Elbow-Konzert
Ein schleppender düsterer Blues, der nicht ganz unabsichtlich an den guten alten Jimi Hendrix erinnert. Soll aus einer Session
entstanden sein wo sie Hendrix jammten.
Da muss eine Dame dem Garv aber mächtig wehgetan haben! Sonst ist er ja immer noch halbwegs höflich oder gar wehmütig
lieb, aber hier ist er echt sauer. "leg ihn (einen Brief) in die unterste Schublade, wo die Sexspielzeuge versteckst. Ich bete du wirst
die immer brauchen..." oder "...lass dir ein verdammtes Herz wachsen, Liebchen..." Und bei der Live-Version in Brixton klingt er
bei den Worten "I know...what...you...have...done" so grimmig, ohne groß die Stimme zu erheben, also zum Feind möchte man
ihn da nicht haben!
Und irgendwann beißen auch die Instrumente wieder zu, die Orgel und die schwer verzerrte Gitarre brüllen schreckschußartig um
die Wette, bevor Garv wieder schläfrig und leicht schmerzlich tönt: "I've got your number...you've got my number..."
Was wohl die Telefongeräusche am Ende bedeuten? Weibliche Computerstimme: Two...beep...two...beep...two...beep beep...
klingt irgendwie nach kaputter Hotline...
Auf dem europäischen Markt ist das eine B-Seite, nämlich die von "Fallen Angel", in den USA befindet sie sich regulär auf der CD.
(die ham's gut...*verlegen einlenk* ok ok, dafür ist es schwerer an Elbow-B-Seiten zu kommen und die Jungs haben einen weiten
Weg in die Staaten...und ich glaube in Amerika hat man auch als Nicht-Volljähriger die A...-Karte bei Konzerten)
Es fängt langsam und unscheinbar mit Schlagzeug und einer hübschen, nicht ganz eingängigen Klaviermelodie an, der Gesang ist
auch wieder sehr leise und sanft, dann stampft es irgendwann zähflüssig los um dann erneut die Hörer aufzuschrecken mit einer
Gitarre an der Kurt C. und Syd B. (RIP, Boys) ihre helle Freude hätten. Naja, wenn man so will, meiner Meinung nach ist Syd und
nicht nur Neil Young der Godfather of Grunge und das was sich hier Britpop nennt ist eigentlich in Elbows Falle doch eher dem
Grunge ähnlicher als der Beatlesverschnitt von Oasis oder Travis.
Am Ende wird es wieder sanft und leise und der Gesang klingt irgendwie schon wieder nach einer Session zwischen Gabe und
Floyd...
Und noch ein fröhlicher kleiner Ohrwurm, der eine recht auffällige Ähnlichkeit mit "Over your shoulder" von I am Kloot hat
(bestimmt nicht ohne Grund, Garv hat ja die erste Kloot-CD produziert und da war ja auch jener Titel drauf)
Komischerweise erinnert mich der Basslauf des Liedes auch etwas an "Love will tear us apart" von Joy Division, stimmungsmäßig
ja eine ganz andere Ecke aber auch hier blitzt etwas Melancholie auf "Cath war mein ein und alles...sie hat im Mai geheiratet.."
Der Refrain klingt irgendwie niedlich schlüpfrig "wir waren an unseren Knöpfen und Reissverschlüssen..." (wie war das doch? It's time
to unzip zip-a-zip-a-zip-yippieh!!" *grins* )
siehe Whisper Grass, dieser Titel ist die B-Seite von der "Not a Job-Maxi", die ich leider nirgends mehr auftreiben konnte. Ich weiß
zwar nicht ob altnet.com legal sind, ich hoffe es, da trieb ich es noch auf und mittlerweile bin ich ja doch noch an die US-Pressung
rangekommen (für Mutti zum Geburtstag oder Weihnachten) Ich hatte das Stück ja schon in der Radio 1 version gehört und bin
damals mächtig zusammengezuckt bei den ersten Gesangstönen. Das Lied könnte ein heimlicher Titel von Gabriels OVO sein, im
Fahrwasser von "Father, Son", sozusagen das Liebeslied von Skyboy and Sofia *grins*
Ein waschechter langsamer Walzer (nicht umsonst nennen sich doch in der Klassik die langsamen Walzer auch "English Waltz")
und Garv klingt derart nach Gabe, dass es fast schon gespenstisch ist und die Bläser klingen verdächtig nach der "Black Dyke
Band" aber es ist so schöööön romantisch und herrlich zärtlichschräge Garveypoesie: "...verbrenn deine Kleidung und komm ins
Bett!" (genau, wenn die depperte Eva nicht verbotene Früchte genascht hätte wären wir alle noch nackig und unverklemmt...*grins*) Garv kann also
auch in glücklichen Zeiten schöne Lieder schreiben...zu dem Lied würde ich gern mal mit ihm "hospitalistisch schunkeln" ...am besten in der
Horizontale...jaja...ich hör schon auf zu sabbern wie ein weltfremder Möchtegerngroupie...*kleinlaut das Thema wechsel*
Garv erzählte mal, bei einem ihrer Konzerte hätte mal ein altes Pärchen Walzer getanzt...vielleicht bei DEM Lied? Oder ob das noch
zu "Asleep..."-Zeiten war? Dann waren die beiden entweder sehr gut trainiert (RED ist schließlich ein TURBO-Walzer) oder es war
das schläfrige "Don't mix your drinks"
Jedenfalls, wenn ich Videoclips basteln könnte, würde ich das Teil an die OVO-Geschichte anlehnen...Skyboy umflattert Sofia im
Dreivierteltakt und überredet sie, mit ihm auf Wolke 7 zu landen und den alten Theo und seine Beth zu Opa und Oma zu machen...
Dieses Lied (schon wieder ein Walzer...diesmal aber wieder mehr ein Blueswalzer) handelt von einer unerwiderten Liebe. Garv
war verknallt in eine Bardame, allerdings waren alle im Raum verknallt in die, auch die räudigsten Suffkes, weswegen Garv wohl
wehmütig "kriechen mit den Trotteln" sagt. Er war damals noch nicht bekannt und um künstlerhaft auszusehen trug er einen
"Bob-Dylan-Hat" (hmmm...diese kleine schwarze Schiebermütze oder den gigeusischen Stetson?? Kicher...wenn ich an das
"Instant French Man"-Foto denke, sicher zum piepen...und dann womöglich noch ein STETSON! Fehlt bloß noch Mark als
Haselmaus und Craig als Märzhase...*feix*)
Aber die Dame ignorierte ihn ebenso wie die Suffkes...und der Kerl wußte bestimmt trotz aller Bescheidenheit, dass er besser war
als die "Idiots" (vielleicht kommt auch DA das verzweifelte "...I'm more than this..." her...)
Die Stimme ist etwas verzerrt klingt dadurch aber derart lasziv, da hätte die Tussi doch echt weich werden müssen. Naja, sie sah
wohl nur seinen Hut und eventuell noch den kleinen Schmollmund, seine himmlische Stimme und seine schönen Augen wohl eher
nicht.
Und am Schluss wieder psychedelische Seufzer irgendwo zwischen Floyd und dem erstaunlich düsteren "Last train to Clarksville"
der Monkeys...)
Irgendwie haben's Elbow auf dieser Scheibe mit dem Gospel. Übrigens finde ich "Fix you" gar nicht so geklaut. Nur wegen der
gospeligen Stimmung? Grace ist viel minimalistischer und im schnellen Teil viel wilder. Muss allerdings zugeben, dass mir "Fix
you" besser gefällt *erröt*
Der Fanchor am Ende ist allerdings kultig: "Wir glauben noch an Liebe, also fuck you!"
Ein herzartiges Pochen und dann zarte Gitarre und Guy brummt gemütlich, wie er im Traum die Arme ausbreitet und trotz seiner
satten 95 Kilo zu seiner Liebsten fliegt. Das Orgeln am Schluss klingt irgendwie nach Rummel ist aber derselbe Titel wie am
Schluss von "Bitten by the Tailfly". Es gibt übrigens Leute, die finden, das Kazoo am Schluss würde nach gekillten Babies klingen.
Äh, die haben wohl vergessen ihre Medizin zu nehmen!! *augenroll* Unsereins hat in Ermangelung eines Kazoo auf dem Kamm
beblasen...apropos...da gab es doch mal so einen Corporal namens Clegg...mit Holzbein und Orden...
Aber Flugträume sind was tolles. Hatte auch schon den einen oder anderen...und zweimal ist mir da sogar der Garv begegnet...
Zusammenfassung: Diese CD ist temperamentvoller als "Asleep in the Back" und wenn man so will abwechslungsreicher. Ich
vergesse manchmal wie viele geile Stücke da drauf sind, vielleicht weil ich finde, dass Gospel vielleicht doch einen Tick zu
bombastisch ist für die filigranen Tag- und Albträume von Elbow und irgendwie durch ihren Platz auf der CD (Quasi wie eine
Rahmenhandlung) ziemlich dominant wirken.