Asleep in the Back (2000 - 2002)
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Die Orgel blendet sich ein, irgendwann setzt ein dumpfer, langsamer aber seltsam treibender Rhythmus ein, leicht triphop-artig und ein
schöner melodischer Bass, teilweise wohl etwas elektronisch bearbeitet. Garveys Stimme setzt ein, schläfrig, zart und irgendwie muss ich
immer wieder feststellen, dass die Angelegenheit ein bißchen klingt, als hätte Peter Gabriel anno 1969/70 mal eben eine kleine Session mit
Pink Floyd gemacht und Massive Attack hätten die Sache behutsam remixed.
Mit diesem Lied wurde ich übrigens Elbow-Fan. Nachdem mir jemand im Genesis-Forum Elbow empfohlen hatte (huhu Zeb!!) hörte ich
es mir auf der offiziellen Website an und es zog mich hypnotisch in seinen Bann...
Auch was das Mantra "anydaynow how's about getting out of this place..." betrifft ist es ein Klassiker, immer wieder kommen bei Elbow
schläfrige Mantras auf und sogar bei Coldplay taucht irgendwann eins auf bei "Daylight"...
Der Ur-Turbowalzer. Die Genialität einer einfachen Melodie. Garv singt wie ein Engel, das Klavier fließt sanft dahin und das Cello bringt
meinen "inneren Fluß" wieder auf Hochwasserpegel.
Ich weiß ja nicht was Garv und Co. von den Red Hot Chili Peppers halten, aber mich erinnert dieser Titel auch immer ein bißchen an
"Breaking the Girl" auch was die Steigerung betrifft. Red ist zwar in der Studioversion relativ sanft, auch am Ende, aber bei den diversen
Live-Versionen die ich bisher kennengelernt habe, geht doch zum Schluß ganz schön die Post ab und Garv schmettert im letzten Refrain
aus voller Lunge "you're a tragedy starting to happen!"
Das Lied hat übrigens Pete Turner, der Bassgitarrist komponiert (schade dass es am 3.12.2005 so kalt war sonst hätte ich noch auf Pete
gewartet und ihm schon deshalb einen Schmatz gegeben). Der Text ist inspiriert von einer Freundin, die Garv hatte. Sie nahm alle Drogen
die man sich vorstellen kann und irgendwann hatte Garv keine Kraft mehr, ihr beizustehen. Erstaunlicherweise hat sie es dann irgendwann
doch geschafft aus dem Drogensumpf zu kommen. Vieleicht hat es sie so geschockt, dass ein Gemütsmensch wie Garv sie fallen
lässt...manch einer schnallt ja wirklich erst was los ist, wenn es kracht...
Ein gedämpfter Fluch, dann räsoniert jemand im breitesten Manchester-Dialekt, wenn ich richtig verstanden habe über das Metronom,
was man leise piepen hört. Ob das Jupp ist? Der hätte als Drummer ja Grund sich über ein zu leises Metronom zu mokieren. Glaube die
Worte "I can't kick to that!" zu hören. Aber irgendwo hieß es, es sei ein Freund der Band...
Laut CD-Zählwerk gehört diese Geräusche zwar noch zu Red, aber dem Rhythmus des Metronoms nach gehört es schon zu "Little
Beast", denn irgendwann setzt in genau DEM Takt wieder ein triphop-ähnlicher Rhythmus ein.
Dieses Lied ist irgendwie eines der unterschätztesten Elbow-Stücke. Immer wenn ich es höre denke ich "GEIL...dieser coole Rhythmus,
diese leicht schräge Melodien, die geheimnisvolle Stimmung...
Inzwischen weiß ich auch worum es in dem Lied geht, da Guy zur Veröffentlichung der Deluxe-Ausgabe nochmal darüber sprach.
Es handelt von den Problemen die ein Nicht-Kämpfer hat wenn er in einer Stadt wie Bury aufwächst und sich in Gebiete wagen muß wo
man wehrhaft sein muß. Die seltsame Zeile mit dem Rückrad ist inspiriert von dem Anblick eines Nachbarortes von Bury wo die Straßen
den Berg entlanglaufen wie ein Gerippe...was es allerdings mit der Garvey-Poesie..."the girl's the priest for me at least since baptised
peroxide" zu bedeuten hab, weiß ich leider immer noch nicht
Zugegeben, rein musikalisch finde ich das Lied ein bißchen kitschig, aber es ist irgendwie doch schön und im Text lauern zu viele
Abgründe für Kitsch, denn Liebe und Treue unter Junkie-Pärchen ist ein zu bitteres Thema. "...bring den Moment zurück, wir waren nie
so nah am Tod..." oder "...ich bin stolz dass du die jenige bist die mich hält, wenn das Zittern beginnt..." *schluck*
Inspiriert wurde Garv dazu als er ein Paar sah, wo die Frau offenbar gerade von irgendeiner Droge runterkam (vielleicht auch "nur"
Alkohol) sie klopfte hektisch mit einer Münze auf den Tresen, worauf ihr Freund zärtlich aber bestimmt ihre Hand festhielt. Dann fingen
beide an bitter zu weinen.
Garv hat das so gerührt, dass er bei Powder Blue die Beiden heiraten läßt...
Was mich aber an dem Lied wirklich fasziniert ist der lange Gesangston, den Garv live leider meist entschärft. Satte 20 Sekunden hält er
diesen Ton und man hat nicht das Gefühl, er ginge dort an seine Grenzen...
Und letztlich, was die angekitschte Stimmung betrifft, Elbow wären nicht Elbow wenn nicht irgendwann die "Mausefalle" zuschnappt wie
ich auch bei "Station Approach" feststellte. Saxophone schwelgen, plötzlich...KLIRRRRRR!! Da hat's dann das Goldfischglas zerhauen
(zumindest brachte mich ein Cartoon auf dieses Bild) (wie war das doch mit den zwei einsamen Seelen im Goldfischglas?!)
Damit die Leute nicht gleich wieder einpennen ;-) ist der nächste Titel etwas temperamentvoller. Leicht urig-afrohafter Rhythmus
(könnte dem Gabe gefallen) und Garv singt zwar immer noch recht sanft aber irgendwie mit leicht hektischem Unterton, der in meinen
verliebten Ohren irgendwie lasziv klingt...teilweise singt er so abgrundtief, dass ich zu rätseln beginne unter welcher Stimmlage er damals
wohl im Kirchenchor gehandelt wurde...Bass-Sopran? *kicher* Am Schluss werden sie wieder richtig heftig. Die für Elbow typische
Gitarrensoundwand dröhnt und Garv schmettert leicht klagend dagegen an. Kommt live beeindruckend wenn man merkt, dass dieser
Kerl nicht nur zart hauchen kann sondern auch BRÜLLEN.
Nach dem offiziellen Ende des Liedes hört man sowas wie Saalgeräusche, lachen, brüllen und ein Klavier spielt einen Blues, welcher sich
über die Jahre als der "running gag" bei Elbow entpuppt, man findet ihn noch am Schluss von "Flying Dream 143" und auf der DVD zu
Leaders of the Free World.
Auch bei dem Lied geht es um die Probleme beim Baggern. Garv erzählte dazu folgendes:
"There was a point where I was working at The Roadhouse in Manchester and the girl I was seeing at the time I'd been unfaithful to and
I hadn't told her and I was in a filthy mood, I'd had the worst day I've ever had. Some guys stole this taxi that me and the girl were
getting into and I decided I was hard for the first time in my life, behaving just like that character (die Person aus dem Lied). I got
knocked to the floor and kicked in..."
Leider sehe ich selbst durch diesen Text nicht so recht durch, ich glaube verstanden zu haben, dass er fremdgegangen war und offenbar
deswegen sich ziemlich unwohl in seiner Haut fühlte, obendrein einen Sch...Tag hinter sich hatte und schlechte Laune. Dann haben ihm
wohl ein paar Typen das Taxi geklaut, was er und seine Freundin nutzen wollten und er war "zum ersten Mal im Leben hart" und
benahm sich wie die Person in dem Lied. Er wurde daraufhin vermöbelt!! *augenrauswälz*
Wer die o.g. Zeilen richtig versteht möge es mir bitte übersetzen (am besten im FORUM)
Aber Guy fasste die Sache noch mal allgemeiner im Deluxe-Interview zusammen: Wochenende, Mädchen treffen und/oder Schlägerei
haben
Dieses Lied ist nur als Bonustrack auf der Nachauflage der CD drauf. Eigentlich schade, ist doch 1. das Titellied und 2. wunderschön
melodisch ohne flach zu sein.
Wieder ein "Turbowalzer" diesmal in gutgelaunter Dur. Während des angenehm niederfrequenzigen Bläsersolos dröhnt ein synthetischer
Bass, der mir wieder ein "vertikales Stereo" beschert, was sich gewaschen hat (hach, ich liebe dieses Kitzeln am Hals)
Inzwischen habe ich endlich kapiert worum es in dem Lied geht, unter Anderem durch www.songmeanings.net wo Garv bestätigt dass
es darum geht wenn man bei einer Beziehung etwas zu schnell mitkriegt wie sein Partner WIRKLICH ist...
Er ging dann beim Deluxe-Interview nochmal genauer drauf ein; es geht darum wenn du jemanden kennenlernst und ihm alle deine Fehler
und Macken verrätst um zu testen wie weit die Liebe geht. Guy meinte er habe das früher immer so gemacht. Ich muß dabei immer an
eine Cartoonsammlung von Adolf Born denken, wo es um die Kunst sich zu verstellen geht wenn man mit Frauen zu tun hat, aber "eine
ganz andere Möglichkeit" sei eben auch genau so zu sein wie man wirklich ist, was "nur bei festeren Beziehungen zu empfehlen" sei.
Der Elbow-Klassiker. Dürfte wohl ein bißchen sowas sein wie für Genesis "Supper's Ready", für Floyd "Wish you were here" oder für
Zep "Stairway to Heaven". Wage ich einfach mal zu behaupten!! Es fängt (wie so oft bei Elbow) zart und harmlos an. Garv tiriliert fast
wie Seal (hoffentlich kricht er DEN Ton noch in 10 Jahren!!) allerdings am Text ahnt man schon, dass man Elbow nicht so blindlings
über den Softie-Weg trauen kann wie z.B. ihren reichen Brüdern von Coldplay! Oder was denkt Ihr bei der zärtlich gezwitscherten Zeile
"ich werde die Leiche in deiner Badewanne sein!" Klingt doch irgendwie einwenig durchgeknallt und absurd wie ein zuckersüß
YES-haft-satzgesungenes "...du hältst den Atem an und die Schwester präsentiert dir die Rechnung...." (Genesis - Entangled). Eben dieses
Entangled soll Elbow zu diesem Lied inspiriert haben. Aber wo Genesis sphärisch-mellotronig verklingen beginnen Elbow wieder ihre
genialen Lärmwände loszujagen und der krachige abrupt abgewürgte Schluss ist pures Adrenalin!
Und letztlich, so makaber wie die erste Zeile klingt, irgendwie habe ich vorm geistigen Auge immer eine solche Szene: Garv mit
(mindestens!!) achzig Lenzen sitzt in der Wanne und ruft seinem Liebchen zu: "...Schatz, bringst du mir mal mein Gummientchen?"
worauf sie tönt: "...ja sofort Bärchen, ich zieh nur meine Stützstrümpfe an..." und dann entschlafen beide plötzlich und schmerzlos mit
einem "sanften Lächeln" und ihr letzter Gedanke....ihr Hochzeitstag *romantischgrins*
Damit die Weicheier nicht völlig die Flucht ergreifen ;-) wirds erst einmal wieder sanftmütiger. Garv brummt tief und schläfrig, dass
Durcheinandersaufen und Durcheinanderlieben ungesund ist (zumindest glaube ich, dass man "Don't mix your drinks, don't mix with him"
vielleicht so übersetzen könnte.
Leise blitzen ein paar kleine Rückkopplungsdissonanzen durch, bleiben aber harmlos im Hintergrund.
Ein wunderschönes Schlaflied für kleine Grimble-Crumble-Gnome und traurige Vogelscheuchen und einsame Seelen in Goldfischgläsern.
Gilmour und Co. hätten ihre helle Freude an diesem Stück. Komischerweise meinten Elbow immer wieder keiner von ihnen sei Floyd-Fan.
Aber wenn ich diese Vokalisen höre, die ich gern als "Floyd'sche Seufzer" bezeichne (z.B. in "See Saw") dann hab ich das Gefühl, dass da
irgendwo auf dem Rücksitz doch ein kleines Echoes-Gespenstchen kichert. Und letztlich sickerte dann doch durch, dass Garv zumindest
die Syd-Jahre als einflußreich auf die Musikszene bezeichnet und in letzter Zeit kam in seiner Radiosendung doch öfters mal "Pillow of
Winds" oder "Fearless". Und in der Zeitschrift "uncut" outete er sich dann doch als Floyd-Fan...
Textlich geht es in dem Lied um eine ungeplante Schwangerschaft. Hübsche Umschreibung: "Bauch voller Leben". Warum das Lied
allerdings "Presuming Ed" heißt, kann ich mir nicht so recht erklären. Dachte durch ein Übersetzungsfehler, es hieße inetwa "Ed erwartet"
Wörtlich übersetzt heißt es aber "dreister Ed" *irritiertsei* Allerdings entdeckte ich dann diesen Namen in einem Film wieder! Scheint
ähnlicher Effekt zu sein wie der geheimnisvolle "Munroe Kelly"
Und wieder lebhafter. Zunächst noch ein zähflüssiger Stampfer, als würde Gabes Intruder durch Neil Youngs Alabama stapfen...*grins*.
Garv singt wieder sehr zart aber bei der Zeile "I need you to be..." klingt er doch ziemlich unruhig und klagend. Und prompt werden sie
am Schluss wieder ziemlich ruppig, ein verzerrter Chor röhrt wie eine Horde bissiger Monster "Wuuuu- ööööhh!!". Die Live-Version
kracht noch mehr.
Garv meinte 2001 beim Konzert in Berlin, das Lied handele darüber, wenn deine Ex einen neuen Freund hat und du magst ihn nicht...
Vorsicht! Es gibt Ausgaben der CD wo dieser Titel fehlt! Am besten man nimmt die, wo auch das Titellied drauf ist, dann ist alles
beisammen.
Bei diesem Lied hatte mich der Garv damals beim Konzert in der "Maria" tierisch erschreckt, weil ich dachte er sei voll wie ein P***topf,
weil er so komisch vorwärts schaukelte. Aber spätestens beim mörderisch langen Gesangston, wo er zwar ein wenig rot anlief aber sonst
keine Schwächeerscheinungen zeigte, merkte ich, dass er wohlauf war. Verdächtigerweise heißt es in dem Lied "Kann das Trinken nicht
lassen..."
Und letztlich, vorwärts schunkeln ist einfach mal cooler *grins*, da braucht man keinen Schunkelpartner ;-)
Für einen Turbowalzer schleicht der Titel zu langsam durch den 3/4 und er ist auch von der Betonung eher bluesy. Erinnert mich von den
Gitarreneinsprengseln einwenig an "Another Brick in the Wall Teil 1" (der geheimnisvollste und schönste der drei Teile).
Und zwischendurch immer der Ausbruch mit gewissem langen Gesangston, der zwar etwas kürzer als der in Powderblue ist, aber weil er
zwei Silben hat, läßt er sich schwerer "entschärfen" - sprich kürzen.
Laut der Credits haben Elbow diesen Titel beim Gabe im Real World Studio aufgenommen.
Scattered Black and Whites
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Na, dieses sanftmütig-hastende Schlagzeug kommt mir doch irgendwie einwenig bekannt vor...und während Garv wieder in den zartesten
Tönen singt und ein Klaviertinkern kommt wird mir klar, woher ich das kenne. Irgendwie lauere ich immer darauf, dass Garv am Schluss
plötzlich brummt: "...there is lambswool under my naked feet..." Und ich musste im englischen Forum überrascht feststellen, dass ich
nicht die Einzige bin, die sich vorstellen kann, dass Elbow mal "Carpet Crawl" covern könnten. Garv hat über die Jahre so oft bewiesen,
zu welchen Vokalkapriolen er fähig ist, da dürfte ihm das Lied nicht schwerfallen...
In diesem Lied erzählt er von seiner Familie und in einigen Interviews gab er immer wieder zu verstehen, dass er dieses Lied sehr mag und
dass seine Schwestern sehr gerührt waren, als sie es kennenlernten.
Nur auf der japanischen Pressung, ansonsten B-Seite von Red. Rezension bei den B-Seiten
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Zusammenfassung:
Eine CD wie ein mystischer Traum. Man schreckt gelegentlich auf, bleibt aber meist in einem gemütlichen Schwebezustand, wie ich es
eigentlich nur noch bei Pink Floyds "Wish you were here" wiederfinde oder bei der "Lamb" von Genesis.
Ist auch nach wie vor meine Lieblingsplatte von Elbow. Manche könnten sie etwas langweilig finden, aber gerade diesen schläfrigen roten
Faden finde ich so schön. Das Album heißt nicht umsonst "schlafend auf dem Rücksitz"