| Die drei Seuchen des Kommerz |
| Seuche 1 Die mtv-unplugged-seuche Rein musikalisch ist diese seuche vielleicht die harmloseste aber sie ist die hinterlistigste. ich werde das gefühl nicht los, dass mtv unplugged im hinterstübchen vorhatte künstler, die ihre musik definitiv nicht für akustikkonzerte geschrieben haben, blosszustellen. vielleicht hat Kurtchen cobain wirklich nur wegen magenschmerzen so mürrisch gewirkt, aber es ist mir nicht geheuer, wenn punks, metaller und hiphopper in das akustikkorsett gezwängt werden um "substanz" zu zeigen. denn letztlich kommen dann genau die leute, die keine ahnung haben warum punks punk machen und metaller ihre verzerrer latschen und hiphopster über fremde samples ihre texte reden. niemand würde wagen, tangerine dream als diletanten zu schmähen, aber ging diese band unplugged? SIE SIND VOLLELEKTRONISCH. habe manchmal schon gewitzelt, sie würden unplugged vielleicht wie steve reich klingen. oder mogwaI. die haben ihre sanften momente, aber ich habe bisher nur auf der "Rock action" *sic!!* akustische Gitarren bei ihnen gehört (sie bevorzugen ja in dem fall das Klavier). hauptsächlich ist mir mtv-unplugged suspekt, weil sich da eigentlich der bock zum gärtner macht. der totale kommerzsender lässt plötzlich den anspruch raushängen. so wie bei dsds, wo zwar drauf geachtet wird dass die sänger(innen) die töne treffen, aber sie sind steril wie ein zimmer auf der stammzellenstation. neil young, bob dylan, steve harley haben alle schief gesungen, dass sich manchmal schon die fussnägel rollen, aber sie dürfen das. niemand (es sei denn er ist strunzdumm) würde es wagen, diesen dreien vorzuwerfen, dass sie schief singen!! es gibt musikrichtungen, die sind nicht geschaffen für "unplugged". und oft ist der auftritt bei "unplugged" das ende gewesen. kurt cobain ist tot. ratt traten schon ohne robbin auf, clapton wollte wohl seine layla aus den fängen der autofirma holen. Akustikkonzerte können sehr schön sein. erfunden habens led zeppelin. auf bron-yr-aur, wo es mal eben keinen strom gab. aber es war einfach so entstanden. nicht auf zwang von fernsehsendern, die eigentlich keinen schimmer haben von "zurück zur natur". Tesla haben die unplugged-idee auf ihre coole art und weise aufgegriffen und so gut wie die zeppies gemeistert. mit spielfreude und humor. elbow sind gegen seuche 1 vielleicht auch immun, sie haben schon auf der noisebox eine -quasi- akustikversion von red. und das ist vielleicht auch das wichtigste. unplugged ist dann ok, wenn der künstler dahinter steht und nicht unter vorführdruck etwas vorgibt was er nicht ist. |
| Seuche 2 Die fettes-orchester-seuche Deep purples "Group and orchester" als den prototyp dieser seuche zu bezeichnen wäre wohl nicht fair. ich kenne dieses werk nicht und man sollte schon wissen wovon man redet. dennoch fürchte ich, dass es vielleicht pate gestanden hat, wenn gestandene (oder eben abstürzende) metaller plötzlich mit den leuten zusammenarbeiten, die ihre musik als lärm betrachten würden. (vergleiche auch unplugged) das unangenehmste beispiel dürfte wohl metallicas "nothing else matters" in der "S&m" version sein. und man kann nicht mal dem orchester einen vorwurf machen, es ist hetfields lustloses kotz-maul-singen, was diese version so ekelhaft macht. kurt verzog bei unplugged nur sein gesicht, sang aber dennoch mit seele. hetfield klingt entsetzlich gelangweilt. warum machte er es dann, wenn es keinen spass macht? wer zwang ihn dazu?! er selbst?? sein manager??? sein leersoffenes bankkonto??? mir kam seuche zwei unbehaglich in erinnerung, als elbow in abbey road mit einem 56-personen-orchester die ohnehin etwas problematische seldom seen kid spielten. meine lieblingslieder klangen plötzlich pathetisch. andere wieder funktionierten. friend of ours war wunderschön. one day war einfach nur gigeusisch aufgepustet. aber guy sang mit herz und seele, verfehlte den einen oder anderen ton, weil er die lautstärke eines orchesters vielleicht unterschätzt hat, aber er sang mit seele. vielleicht freunde ich mich mit dem konzert an. es ist wohl noch nicht seuche 2. aber elbow sind gefährdet. ihr kühl-melancholischer minimalismus verträgt keinen bombast. Atom heart mother von pink floyd mag ich wohl hauptsächlich aus nostalgiegründen, obwohl ich schon eine gänsehaut bekomme, wenn bei "father's shout" dieser glockenklare sopran singt... die schönsten klassik-liebäugeleien sind allerdings immer mit kleinem orchester. die beatles haben es vorgemacht: eleanor rigby, she's leaving home, Yesterday. nur ein kleines streichquartett oder ein kleines orchester ohne blechbläser. mein lieblings-klassikstück von deep purple ist "april". mit kleinem Orchester, wo die blasinstrumente eine oboe und eine klarinette(?) sind. Letztlich ist das problem das selbe wie bei unplugged. es scheint innitiert von leuten, die eigentlich keine rockmusik mögen. |
| Seuche 3 Die balladen-seuche diese seuche tritt meist als erste auf. wenn eine band erfolgreich wird, hört man plötzlich nur noch balladen von ihnen. otto normalspiesser kennt von den scorpions nur "wind of change". kevin poser kennt von 3 doors down nur "here without you" und auf der insel von elbow nur "one day like this", weil man so schön mitgröhlen kann. bei the stops quatscht er mit tussi angepasst über die neuen scheiben von duffy und james blunt, während die elbow-fans der ersten stunde am liebsten morden würden, um ihn und tussi still zu machen. und endgültig ist die seuche ausgebrochen, wenn eine einst harte band plötzlich ganze cds mit balladen herausbringt. best of ballads und so. diese seuche hat für die "erkrankte" band das problem, dass sie sie nur loswird, wenn sie die hand beisst, die sie füttert. etwas was bekanntermaßen nicht leicht ist, denn die angst vor armut sitzt wohl jedem im genick. das gesündeste wäre wohl, während der balladenphase das geld auf ein sperrkonto zu packen (vgl. lottogewinn) und wenn genug drauf ist, wieder die sau rauszulassen, in der hoffnung, dass die alten fans nicht zu vergrätzt sind und zurückkehren und unter den neuen fans vielleicht einige lernfähig sind und nicht nur weichgekochte kost fressen. und vielleicht überhaupt noch bemerken, dass die altmeister zu den wurzeln zurückgekehrt sind. |